Caritas-Kongress 2019

Politische Lobbyarbeit

Haltestelle Berlin – „Hauptvertretung“ des Deutschen Caritasverbandes feiert 100. Geburtstag

Caritaskongress2019_Tag3_1_011Hermann Gröhe MdB, Stv. Vorsitzender der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag.DCV/Janine Schmitz

Wohlfahrt bleibe weiter unersetzlich in gesellschaftlichen Transformationsprozessen, meint Herrmann Gröhe, Stellvertretender Vorsitzender der CDU/CSU-Fraktion: "Auch wenn wir heute in einer säkularen Gesellschaft leben, ist die Caritas-Hauptvertretung in Berlin für die Politik wichtiger Anlaufpunkt. Die Caritas kennt die Bedürfnisse in der Gesellschaft und kann sie gebündelt und strukturiert vortragen."

An Gesetzen für Menschen in Not mitwirken

Nachkriegsnot, Weimarer Wohlfahrtsstaat, Nationalsozialismus, Teilung Berlin in Ost und West und die Wiedervereinigung – erst galt es für die Hauptvertretung ganz praktische Hilfe und später dann Lobbyarbeit für Menschen in Not zu leisten. Vor 100 Jahren zunächst mit der Beschaffung und Verteilung ausländischer Spenden und der Vermittlung von Landaufenthalten für Stadtkinder. Bis heute dann mit der beratenden Mitwirkung an der Sozialgesetzgebung.

Caritas-Hauptvertretung hat das Ohr auf der Schiene

"Die Caritas gilt als Abbild der deutschen Sozialgeschichte", unterstreicht Prof. Matthias von Schwanenflügel, Abteilungsleiter im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. "Es ist gut, dass wir das Subsidiaritätsprinzip haben. Wir wissen, dass die Kolleginnen und Kollegen in der Caritas-Hauptvertretung ihr Ohr auf der Schiene haben und wir jeder Zeit anrufen können", sagt von Schwanenflügel.

NS-Zeit, DDR-Regime – politische Herausforderungen für die Hauptvertretung

Caritaskongress2019_Tag3_1_007Das Podium in der Session „Haltestelle Berlin. 100 Jahre „Hauptvertretung“ des Deutschen Caritasverbandes”.DCV/Janine Schmitz

Politische Herausforderungen haben sich historisch für die Caritas-Hauptvertretung in Berlin immer wieder ergeben. Ob in der Zeit des Nationalsozialismus, als die Machthaber die Gleichschaltung der bestehenden Wohlfahrtsverbände mit dem NS-eigenen Verband versuchten. Oder Anfang der 1960er Jahre, als die beiden einzigen Wohlfahrtswerke in der DDR, Caritas und Diakonie, dem DDR-Staat als Lückenbüßer im Gesundheits- und Sozialbereich und als Devisenbeschaffer dienten, die ihm aber wohl selbst die Existenz sicherte.

Nach dem Mauerfall setzten sich die Leiter der Berliner Hauptvertretung in Ost und West insbesondere für die Anerkennung der in der DDR erzielten Berufsabschlüsse und für eine Zusatzversorgung für Mitarbeitende der Caritas in der DDR ein. Man kämpfte um die Zukunft der Ausbildungseinrichtungen und verfolgte erfolgreich den Plan einer Katholischen Hochschule in Berlin. Der Neu-Aufbau der ostdeutschen Caritasverbände als eigenständige Vereine konnte 1990 erfolgreich abgeschlossen werden.

Lobbyarbeit in Europa

Mit der zunehmenden Bedeutung Berlins als Bundeshauptstadt wuchsen die Anforderungen an eine lobbyistische Präsenz. Heute sieht sich der Caritasverband, gemeinsam mit der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege (BAGFW), auch als Vertreter des deutschen Sozialstaatsmodells in Europa. FDP-Bundestagsabgeordneter Pascal Kober unterstreicht: "Die EU-Gesetze dürfen nicht so gestaltet sein, dass vor Ort die Strukturen der Freien Wohlfahrtspflege geschwächt werden."

Das Verhältnis der Hauptvertretung zum Staat seit 100 Jahren und auch morgen, ist intensiv und wird nachhaltig sein. Ein sichtbares Zeichen dafür setzte der Caritasverband 2005: ein Neubau in der Reinhardtstraße 13. Mitten in Berlin, im "Haus der Deutschen Caritas" leisten heute die Mitarbeitenden der Hauptvertretung weit mehr als nur Lobbyarbeit für die Caritas.