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Stand: 17.03.2020

Pressemitteilung

Ich bin Bufdi beim Migrationsdienst

Saarbrücken - St. Johann, Johannisstraße 2, sechstes Obergeschoss. Kurz nach neun Uhr, es klingelt. Der Migrationsdienst der Caritas hat offene Sprechstunde. Amina M. öffnet die Tür: "Marhaba" sagt sie, ‚Hallo‘, mit einem höflichen Lächeln auf den Lippen. M. begrüßt die ersten Klienten auf Arabisch, fragt, mit welchem Anliegen sie kommen, zu wem sie wollen, ob sie schon einmal beim Migrationsdienst zur Beratung waren. Die zwei Männer kommen aus Syrien, sie haben Briefe dabei, von der Deutschen Rentenversicherung und vom Rundfunkbeitragsservice. M. bringt sie ins Wartezimmer, bis ein Berater Zeit hat. Die Situation wird sich an diesem Montagmorgen noch etwa 20 Mal wiederholen.

Der Migrationsdienst der Caritas hilft Flüchtlingen nach ihrer Ankunft in Deutschland. Die Berater gehen mit den Asylbewerbern zu den Behörden und Ämtern, helfen bei Versicherungsanträgen und der Eröffnung eines Bankkontos. Oft kommen die Flüchtlinge mit Briefen und Anträgen in die offene Sprechstunde, um gemeinsam mit den Beratern die Bürokratie zu bewältigen und Fragen zu klären. Der Migrationsdienst hilft auch dabei, einen Sprachkurs oder ein Hobby zu finden und gibt Adressen für die Wohnungssuche heraus.

Ordnung bewahren und Regeln durchsetzen

Die größte Schwierigkeit für die Berater dabei: Die wenigsten Flüchtlinge sprechen Deutsch. Hier ist der Dienst auf arabischsprachige Ehrenamtliche angewiesen - oder auf Bundesfreiwilligendienstler wie Amina M., die selbst vor vier Jahren aus Algerien nach Deutschland kam. Für Hartmut Staub, Leiter des Migrationsdienstes, sind Leute, die Arabisch sprechen und die arabische Mentalität kennen, sehr wichtig: "Die sind essentiell. Ohne die könnten wir unsere Beratung gar nicht machen." Vor kurzem erst habe er eine arabischsprachige Algerierin in Teilzeit eingestellt, die Vorgängerin von M. im Bundesfreiwilligendienst.

M.s Büro ist direkt gegenüber vom Warteraum. Beide Türen stehen offen. "So kann ich alles kontrollieren und koordinieren." Denn beim Migrationsdienst soll es gerecht zu gehen, nach der Reihe. Ein Syrer kommt aus dem Wartezimmer, er wirkt ungeduldig, spricht M. auf dem Flur an, wedelt mit zwei Briefen. Sie soll ihm diese übersetzen. "Das darf ich aber nicht", sagt sie. Das dürfe sie nur während eines Beratungsgesprächs. Manches müsse sie sich auch erst erklären lassen. Höflich aber bestimmt versucht sie dem Mann die Regeln des Migrationsdienstes zu erklären. Gegen M. hat der Syrer keine Chance bei der Diskussion, er muss sich widerwillig ins Wartezimmer setzen.

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